„Die vier Tantras der Tibetischen Medizin“

Weit vor Beginn unserer Zeitrechnung, liegen die Wurzeln der tibetischen Medizin in der schamanistischen, vorbuddhistischen Bön-Tradition.
Nach der Entstehung der tibetischen Schriftzeichen, wurde bereits im 8. Jahrhundert die erste Niederschrift zur Traditionellen Tibetischen Medizin verfasst.
Immer wieder ergänzten und erweiterten tibetische Ärzte den Inhalt dieser Texte, auch im Austausch mit Heilkundigen aus Indien, Persien, China, ja sogar mit griechischen Gelehrten.

Im 12. Jhd. entstand so ein endgültiges Werk, bestehend aus vier Teilen, genannt „Die vier Tantras der Tibetischen Medizin“ (tibet. rGyud bZhi).
Neben der präzise beschriebenen Anatomie, Embryologie, Physiologie und Pathologie werden auch die Ernährungslehre der TTM und Lebensweisen zum Erhalt eines gesunden Körpers anschaulich dargestellt und erklärt.
Zudem werden u. a. die Ursachen und die Bedingungen von Störungen bzw. Krankheiten, die Pharmakologie mit der Materia Medica der TTM und die Anwendungen der sechs Geschmacksrichtungen in der TTM, ausführlich erläutert, so wie auch die Diagnose- und die Behandlungsmethoden der Sowa Rigpa im Detail vermittelt werden.

Bis zum heutigen Tag bildet an den tibetischen Medizinuniversitäten das rGyud bZhi, dieses umfangreiche und visionäre Hauptwerk der Traditionellen Tibetischen Medizin, die Basis des Studiums.

Im Heilsystem der untergehenden Hochkultur der Tibeter, ist zusätzlich zu einem umfangreichen Fachwissen und einer scharfsinnigen Analyse, auch das richtige Verhalten des Arztes von größter Bedeutung.

In den vier Tantras wurde dazu ein eigenes Kapitel verfasst. Jedem fühlenden Wesen ist immer mit größtmöglichem Respekt und tiefem, ehrlichen Mitgefühl zu begegnen – wohlwissend, dass der Geist/die Seele einen enormen Einfluss auf unseren körperlichen Zustand hat, steht der liebevolle Umgang mit dem Patienten auch heute noch im Vordergrund jedes tibetischen Arztes.